Wie
bei vielen Städten der Region gehen die Ursprünge wohl auf eine
keltische Siedlung namens "Vosavia" oder "Volsolvia" zurück. Die Römer
unterhielten hier später eine Pferdewechselstation mit Herberge. Nach
dem Fall des Limes wurde Oberwesel fränkisches Königsgut mit Königshof.
Das "Hofgut Wesel" ging unter Otto I. 966 an das Erzstift von Magdeburg.
1220 löste Friedrich II. die Verpfändung und Oberwesel wurde freie
Reichsstadt. 1255 wird Oberwesel Mitglied des Rheinischen Städtebundes.
Aber bereits 1309 verlor Oberwesel diesen Status wieder und kam unter
die Herrschaft von Kurtrier, zu dem es bis zur Säkularisierung 1802
gehörte. Im "Weseler Krieg" 1390/91 versuchte die Stadt zwar noch einmal
das Blatt zu wenden, musste nach erfolgreicher Belagerung durch den
Trierer Erzbischof Werner von Falkenstein aber klein beigeben.
Weinbau,
Fischfang (Salm), Handel und Handwerk verhalfen der Stadt zu ihren
Einnahmen, die es ermöglichten, in drei Bauphasen von 1220 bis Mitte des
14. Jahrhunderts die Stadtmauern zu errichten. Die Bedeutung der Stadt
im Mittelalter lässt sich auch daran ablesen, dass sie zwei große Stifte
(Liebfrauen und St. Martin), zwei Klöster und einen Beginenhof
beherbergte. Insgesamt unterhielten hier neun Klöster große Hofgüter.
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 wurde Oberwesel
erstmals von den Franzosen zerstört.
1794 wurde die Stadt von französischen
Revolutionstruppen besetzt und ging 1802 endgültig an Frankreich. Nach
dem Wiener Kongress wurde sie mit dem linken Rheinufer preußisch.
Heute
glänzt Oberwesel durch die umfangreichsten Reste eines Stadtmauerrings
im Oberen Mittelrheintal, der über längere Strecken begehbar ist, seine
Kirchen und schöne alte Häuser. Die Wernerkapelle in der dem Rhein
zugewandten Seite der Stadtmauer von Oberwesel wurde um 2001 renoviert.
Sie wurde nach dem vormals "heiligen" Werner von Oberwesel geweiht. Als
Heiliger wurde Werner mit den Attributen Winzermesser wie auch Schaufel
und Wanne dargestellt und galt als Patron der Winzer. Nach einer
falschen christlichen Ritualmordlegende soll der 16-jährige Werner am
Gründonnerstag 1287 von Mitbürgern der örtlichen jüdischen Gemeinde in
Oberwesel ermordet worden sein, die sein Blut für das Passah-Fest
verwendet hätten. Eine lateinische Chronik des 14. Jahrhunderts
berichtet von einem angeblichen Hostienfrevel, Mitbürger aus jüdischen
Gemeinden hätten Werner an den Füßen aufgehängt, um eine Hostie zu
entwenden, die er zu schlucken im Begriff war. Anschließend hätten sie
ihn in den Rhein geworfen. An der Stelle am Rheinufer von Bacharach, an
der der Leichnam angeschwemmt worden sein soll, wurde die gotische
rheinromantische Wernerkapelle errichtet. Auf den angeblichen Ritualmord
erhob sich der antisemitische Mord- und Pogrommob und zerstörte nicht
nur mittelrheinische jüdische Gemeinden, sondern auch jüdische Gemeinden
an der Mosel und im niederrheinischen Raum. Im Volkschristentum entstand
der Wernerkult, der erst 1963 im Kalender der Diözese Trier gestrichen
wurde. Heinrich Heine verarbeitete die Legende in seiner
fragmentarischen Erzählung „Der Rabbi von Bacherach".
Innerhalb des Anbaugebiets Mittelrhein gehört
Oberwesel zu den größten Weinbaugemeinden. Die Großlage Schloss
Schönburg umfasst 72 ha; Einzellagen sind Sieben Jungfrauen,
Oelsberg, Bienenberg, St. Martinsberg, Goldemund,
Bernstein, Römerkrug. Die Weinberge sind steil terrassiert
und zu ca. 80% mit Riesling und zu 20 % mit anderen weißen Rebsorten (Müller-Thurgau,
Kerner, Weißburgunder) und seltener auch roten Traubensorten
(Spätburgunder, Dornfelder) bestockt. Es werden Weine aller Ausbauarten
(mild, halbtrocken und trocken) sowie Qualitätsstufen (Prädikat Kabinett
bis vereinzelt Eiswein) erzielt. Kürzlich wurde im Oelsberg eine sanfte
Flurbereinigung durchgeführt und die neu bestocketen Weinberge mit einer
Bewässerungsanlage versehen. Somit konnte diese traditionelle Lage
gesichert werden. Neben Arbeitseinsparung für die Winzer bietet bedeutet
dies auch eine Ertragssicherung in trockenen Sommern.
Einige der ca. 30 Weingüter vor Ort sind seit über 200
Jahren im Familienbesitz; manche unterhalten Gutsausschank in der Stadt.
Quelle: Wikipedia Stand 29.05.08 |