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| - Die Propstei
"Ein Idyll am Mittelrhein" - |
Zwischen Loreley und Boppard, etwa 6
Kilometer von St. Goar, dort, wo steil ansteigende Felsen sich trotzig gegen die
Gestade des Rheines vordrängen, liegt als reizendes Idyll schmallang
hingestreckt am Rheine vorbei, bedingt durch die geringe Breite des
Vorgeländes, das niedliche Rheindörfchen Hirzenach mit seiner altehrwürdigen
Propstei. Zwei enge Täler führen hier zum Rhein, durch die auch in früher
Vorzeit die Besiedlung erfolgte. Steil fallen hier die Schieferberge zum Rhein
ab, bepflanzt mit Weinbergen, in denen ein sehr guter Tropfen Rheinweines
gedeiht. Hervorgehoben seien die Gemarkungen Propsteiberg, Staud und
Aloysiusberg, letztere an den rechten Hängen des Totentales. Die vorderen
Bergterassen enthalten hier noch die Schotter der Niederterasse des Urrheins.
Wenn für dieses Örtchen auch nicht ein römischer Ursprung angerufen wird,
wenn selbst auf den Jahrhunderten, die der Glanzzeit Karis des des Großen
unmittelbar vorangingen und folgten, überhaupt keine Lichtstrahlen auf ihre
Vergangenheit fallen, so wissen wir doch sicher, dass bereits mehr als 900 Jahre
mit reichstem Wechsel an Glück und Leid über dieses Rheindörfchen mit seinem
Kloster hingezogen sind. Schon auf Freiligrath machte Hirzenach durch seine
beschauliche Lage großen Eindruck. Die Hirzenacher Friedenslinde, die vor dem
Ort, dort, wo jetzt die Bahn vorbeiführt, stand, besingt er in seiner St. Goarer
Zeit 1843 in dem Gedicht "Die Linde bei Hirzenach" mit den Worten
"Den friedlich
Dörfchen friedlich zu behüten,
wie stehst du schön
am Rheine da, o Linde"
Wann hier die erste
Besiedlung stattfand, ist nicht bekannt. Urkundlich wird Hirzenach zuerst im
Jahre 1099 erwähnt unter den Namen Hizenawe und Hirzenau. Beide Namen treten
gleichzeitig auf. Über den Ursprung derselben ist näheres nicht bekannt.
Gemeint ist mit diesem Namen der Ortsteil Oberhirzenach, da Niederhirzenach noch
nicht bestand. Anschließend an diesen Ort zog sich am Rheine vorbei bis zu
Gemarkung Tempusort oder Tempesort der kleine Ort Kirbelhausen. Rin Rest hiervon
ist noch das Kurpfälzische Gerichtshaus, Tempesort oder Templerhaus
genannt, in dem die Dingtage für Holzfeld oder Haißfelden, einer Filiale von
Hirzenach, durch die Abtei Marienberg, der Holzfeld unterstand, abgehalten
wurden.
Leider ist dieser
älteste Zeuge der Geschichte Hirzenachs dem Verfall preisgegeben, wenn es nicht
unter Denkmalschutz gestellt wird. Woher der Name Tempesort oder Templerort
stamm ist nicht sicher. Sicher ist, dass die Templer in Rheinbay, Weiler,
Holzfeld und Werlau begütert waren. Dicht bei Rheinbay in der Richtung Weiler
stehen die Mauerreste der früheren Burg Wiesenstein, vielleicht das alte
Weißenberg, von welchem Konrad der Älteste von Schöneck 1367 den Titel
führte. In einer Urkunde vom Jahre 1380, die Stiftung eines Altares zu
Hirzenach betreffend, werden unter den dazu gewidmeten Fällen auch solche, die
von der Burg Wiesenstein kommen, genannt. Die Sage erzählt, dass die Templer
nach ihrer Ächtung längere Zeit sich in Wiesenstein verteidigten, dass sie
aber überwältigt wurden und alle erschlagen wurden bis auf einen, dem es
gelang, die Probstei zu erreichen und dort in Frieden sein Leben zu
beschließen.
Der untere Teil des
sogenannten Templerhauses ist noch ein Rest des ursprünglichen Baues und für
die Anfänge rheinischer Baugeschichte von Bedeutung. Auf einem Pfosten im
Innern steht die Jahreszeit 1632. Vermutlich wurde das Haus in dieser Zeit einem
Umbau unterzogen, so dass also die oberen Fachwerkstockwerke dieser Zeit ihre
Entstehung verdanken.
Über die Gründung der
beiden eingangs genannten Orte ist näheres nicht zu erfahren. Sicher ist, dass
sie vor der Gründung der Propstei, also vor 1099 bereits bestanden. In dem
vorher genannten Jahr 1099 übergab Graf Erloff von Sternberg sein Allod
Hirenawe mit der daselbst liegenden Zelle der hl. Maria, Johannes und
Bartolomäus dem Kaiser Heinrich IV, auf dass dieser eine von ihm beabsichtigte
Stiftung vollends zustande bringe. Dieser schenkte Hirzenach dem Erzbischof
Friedrich I. von Köln, der den Abt Kuno von Siegburg ermächtigte, ungesäumt
Hand ans Werk zu legen. Diese Zelle lag im Neubruch, und die Mönche gewannen
dadurch eigene Arbeit das Ackerland durch Rodung des Waldes.
Zu dieser Rodung und zur
Erbauung des Klosters gewannen sie Bauern und Arbeiter aus dem Orte Beye (jetzt
Rheinbay), die sich hier ansiedelten und den Ort Nieder-Hirzenach gründeten.
Nach den Regesten der Kölner Erzbischöfe ist am 4. Mai 1110 das Werk
vollendet, und somit beginnt die Geschichte des Benediktinerklosters oder der
Propstei Hirzenach, einer der ältesten Benediktinerniederlassungen des
Rheintales. Nach den Regesten der Kölner Erzbischöfe 1100 bis 1205 bekundet
Erzbischof Friedrich I, dass er nach der Erbauung des Klosters diesem 20 angera
Weinberge in Villa Dipach bei Bacharach mit dem Zehnten und aller Nutzung
geschenkt habe. Ferner kam vor 1109 der Hof Quintenach bei Karbach zur Abtei
Siegburg, eingetauscht gegen eine Rente von M. 3,--. Propst Paschalis II.
bestätigte am 28.11.1109 der Abtei Siegburg diese Besitzung.
12 Mönche und einen
Prior oder Probst sollte das Kloster fernerhin als seine Insassen zählen.
Zeitweilig waren es weniger, entweder 8 oder noch weniger. Einer der Mönche
versah die umliegenden Orte. Einer war Pfarrer in Hirzenach. Etwa 30 Pröbste
leiteten nun mit mehr oder weniger gutem Geschick die Geschichte des Klosters
bis zu seiner Auflösung. Unter ihnen treten besonders hervor: um 1256 Gerhardus
und neben ihm ein Prior Helias, um 1290 Erkenbertus, um 1315 Georg - Bruder des
Raugrafen Konrad -, um 1326 Georg, um 1337 Johann von Lobusch, um 1340 Johannes
von Sternberg, um 1387 Heinrich von Moos, Johann von Stahl um 1402, Henrikus von
Plattenberg von Willich um 1578, Johannes Bertram von Bellinghausen um 1672,
Wolfgang Michael von Kolb um 1734 und Emmerich von Quandt, gestorben 1811.
Dieser war der letzte Probst. Er wird als sehr liebenswürdig und verständig
geschildert. Er war ein leidenschaftlicher Mechaniker und betrieb besonders
Uhrmacherkunst. Hunderte von Taschenuhren hatte er in dem schönen Saale der
Probstei stets in Bewegung. Auch die Uhr am Probsteigebäude, das heute als
Pfarrhaus dient, stammt aus dieser Zeit. Emmerich von Quandt war nach der
Säkularisation des Klosters 1808 - 1811 als erster Pfarrer tätig.
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