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- Die Propstei "Ein Idyll am Mittelrhein" -

Die nachfolgende Niederschrift  wurde von A. Metzdorf, zweiter Lehrer an der Volksschule in Hirzenach, verfasst.  Datum der Veröffentlichung im "Koblenzer Heimatblatt " war der 26. April 1930.

Zwischen Loreley und Boppard, etwa 6 Kilometer von St. Goar, dort, wo steil ansteigende Felsen sich trotzig gegen die Gestade des Rheines vordrängen, liegt als reizendes Idyll schmallang hingestreckt am Rheine vorbei, bedingt durch die geringe Breite des Vorgeländes, das niedliche Rheindörfchen Hirzenach mit seiner altehrwürdigen Propstei. Zwei enge Täler führen hier zum Rhein, durch die auch in früher Vorzeit die Besiedlung erfolgte. Steil fallen hier die Schieferberge zum Rhein ab, bepflanzt mit Weinbergen, in denen ein sehr guter Tropfen Rheinweines gedeiht. Hervorgehoben seien die Gemarkungen Propsteiberg, Staud und Aloysiusberg, letztere an den rechten Hängen des Totentales. Die vorderen Bergterassen enthalten hier noch die Schotter der Niederterasse des Urrheins. Wenn für dieses Örtchen auch nicht ein römischer Ursprung angerufen wird, wenn selbst auf den Jahrhunderten, die der Glanzzeit Karis des des Großen unmittelbar vorangingen und folgten, überhaupt keine Lichtstrahlen auf ihre Vergangenheit fallen, so wissen wir doch sicher, dass bereits mehr als 900 Jahre mit reichstem Wechsel an Glück und Leid über dieses Rheindörfchen mit seinem Kloster hingezogen sind. Schon auf Freiligrath machte Hirzenach durch seine beschauliche Lage großen Eindruck. Die Hirzenacher Friedenslinde, die vor dem Ort, dort, wo jetzt die Bahn vorbeiführt, stand, besingt er in seiner St. Goarer Zeit 1843 in dem Gedicht "Die Linde bei Hirzenach" mit den Worten

 

"Den friedlich Dörfchen friedlich zu behüten,

   wie stehst du schön am Rheine da, o Linde"

 

Wann hier die erste Besiedlung stattfand, ist nicht bekannt. Urkundlich wird Hirzenach zuerst im Jahre 1099 erwähnt unter den Namen Hizenawe und Hirzenau. Beide Namen treten gleichzeitig auf. Über den Ursprung derselben ist näheres nicht bekannt. Gemeint ist mit diesem Namen der Ortsteil Oberhirzenach, da Niederhirzenach noch nicht bestand. Anschließend an diesen Ort zog sich am Rheine vorbei bis zu Gemarkung Tempusort oder Tempesort der kleine Ort Kirbelhausen. Rin Rest hiervon ist noch das Kurpfälzische Gerichtshaus, Tempesort  oder Templerhaus genannt, in dem die Dingtage für Holzfeld oder Haißfelden, einer Filiale von Hirzenach, durch die Abtei Marienberg, der Holzfeld unterstand, abgehalten wurden.

Leider ist dieser älteste Zeuge der Geschichte Hirzenachs dem Verfall preisgegeben, wenn es nicht unter Denkmalschutz gestellt wird. Woher der Name Tempesort oder Templerort stamm ist nicht sicher. Sicher ist, dass die Templer in Rheinbay, Weiler, Holzfeld und Werlau begütert waren. Dicht bei Rheinbay in der Richtung Weiler stehen die Mauerreste der früheren Burg Wiesenstein, vielleicht das alte Weißenberg, von welchem Konrad der Älteste von Schöneck 1367 den Titel führte. In einer Urkunde vom Jahre 1380, die Stiftung eines Altares zu Hirzenach betreffend, werden unter den dazu gewidmeten Fällen auch solche, die von der Burg Wiesenstein kommen, genannt. Die Sage erzählt, dass die Templer nach ihrer Ächtung längere Zeit sich in Wiesenstein verteidigten, dass sie aber überwältigt wurden und alle erschlagen wurden bis auf einen, dem es gelang, die Probstei zu erreichen und dort in Frieden sein Leben zu beschließen.

Der untere Teil des sogenannten Templerhauses ist noch ein Rest des ursprünglichen Baues und für die Anfänge rheinischer Baugeschichte von Bedeutung. Auf einem Pfosten im Innern steht die Jahreszeit 1632. Vermutlich wurde das Haus in dieser Zeit einem Umbau unterzogen, so dass also die oberen Fachwerkstockwerke dieser Zeit ihre Entstehung verdanken.

Über die Gründung der beiden eingangs genannten Orte ist näheres nicht zu erfahren. Sicher ist, dass sie vor der Gründung der Propstei, also vor 1099 bereits bestanden. In dem vorher genannten Jahr 1099 übergab Graf Erloff von Sternberg sein Allod Hirenawe mit der daselbst liegenden Zelle der hl. Maria, Johannes und Bartolomäus dem Kaiser Heinrich IV, auf dass dieser eine von ihm beabsichtigte Stiftung vollends zustande bringe. Dieser schenkte Hirzenach dem Erzbischof Friedrich I. von Köln, der den Abt Kuno von Siegburg ermächtigte, ungesäumt Hand ans Werk zu legen. Diese Zelle lag im Neubruch, und die Mönche gewannen dadurch eigene Arbeit das Ackerland durch Rodung des Waldes.

Zu dieser Rodung und zur Erbauung des Klosters gewannen sie Bauern und Arbeiter aus dem Orte Beye (jetzt Rheinbay), die sich hier ansiedelten und den Ort Nieder-Hirzenach gründeten. Nach den Regesten der Kölner Erzbischöfe ist am 4. Mai 1110 das Werk vollendet, und somit beginnt die Geschichte des Benediktinerklosters oder der Propstei Hirzenach, einer der ältesten Benediktinerniederlassungen des Rheintales. Nach den Regesten der Kölner Erzbischöfe 1100 bis 1205 bekundet Erzbischof Friedrich I, dass er nach der Erbauung des Klosters diesem 20 angera Weinberge in Villa Dipach bei Bacharach mit dem Zehnten und aller Nutzung geschenkt habe. Ferner kam vor 1109 der Hof Quintenach bei Karbach zur Abtei Siegburg, eingetauscht gegen eine Rente von M. 3,--. Propst Paschalis II. bestätigte am 28.11.1109 der Abtei Siegburg diese Besitzung.

12 Mönche und einen Prior oder Probst sollte das Kloster fernerhin als seine Insassen zählen. Zeitweilig waren es weniger, entweder 8 oder noch weniger. Einer der Mönche versah die umliegenden Orte. Einer war Pfarrer in Hirzenach. Etwa 30 Pröbste leiteten nun mit mehr oder weniger gutem Geschick die Geschichte des Klosters bis zu seiner Auflösung. Unter ihnen treten besonders hervor: um 1256 Gerhardus und neben ihm ein Prior Helias, um 1290 Erkenbertus, um 1315 Georg - Bruder des Raugrafen Konrad -, um 1326 Georg, um 1337 Johann von Lobusch, um 1340 Johannes von Sternberg, um 1387 Heinrich von Moos, Johann von Stahl um 1402, Henrikus von Plattenberg von Willich um 1578, Johannes Bertram von Bellinghausen um 1672, Wolfgang Michael von Kolb um 1734 und Emmerich von Quandt, gestorben 1811. Dieser war der letzte Probst. Er wird als sehr liebenswürdig und verständig geschildert. Er war ein leidenschaftlicher Mechaniker und betrieb besonders Uhrmacherkunst. Hunderte von Taschenuhren hatte er in dem schönen Saale der Probstei stets in Bewegung. Auch die Uhr am Probsteigebäude, das heute als Pfarrhaus dient, stammt aus dieser Zeit. Emmerich von Quandt war nach der Säkularisation des Klosters 1808 - 1811 als erster Pfarrer tätig.

 

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